«Aus China kommt, wie in Vietnam allgemein bekannt, alles Böse. Man spricht unter Anderem von vergifteter Milch für Babys»

Das Verhältnis zu China ist nicht besonders entspannt. Gerade in der allgemeinen Bevölkerung spürt man immer wieder eine Abneigung wie auch Misstrauen gegenüber dem grossen Nachbarn aus dem Norden. Nette Worte über China als Nation, oder gar als Freund Vietnams hört man so gut wie gar nicht. Tim vermutet die Anfänge dieser Missgunst in der 1000 jährigen Besetzung Vietnams durch China. Gleichwohl dies nicht der einzige Faktor ist, ist es dennoch ein bedeutender.
 
 

 
Aus China kommt, wie in Vietnam allgemein bekannt, alles Böse. Man spricht unter Anderem von vergifteter Milch für Babys oder von ungesundem, weil genmanipuliertem Gemüse. Ganz allgemein haben nahezu alle Dinge, die aus China kommen, für den Vietnamesen keine brauchbare Qualität. Die Mopeds, die man für 200 USD bekommt, könne man auch gleich wieder verschrotten, das lohne noch nicht einmal für den teils turbulenten vietnamesischen Verkehr.

«Das Siegel "Made in China" steht also hier ganz besonders für schlechte Qualität und ist daher für viele ein No-Go.»


Das Siegel "Made in China" steht also hier ganz besonders für schlechte Qualität und ist daher für viele ein No-Go. Und das, obwohl aller Vermutung nach ein Grossteil des Stoffes, der hauptsächlich in Form von Kleidung getragen wird, im Endeffekt wahrscheinlich doch aus China kommt. Da greift man lieber auf die japanischen Produkte zurück. Für Motorräder sind diese ja auch bekannt, durch Marken wie Honda oder Yamaha. Aber auch der Reiskocher muss bestenfalls aus Japan und schlechtestenfalls zumindest nicht aus China kommen.

«Dabei bringen die Chinesen einigen Regionen Vietnams enorme Vorteile. Hoi An z. B. profitiert stark von den chinesischen Touristen.»


Dabei bringen die Chinesen einigen Regionen Vietnams enorme Vorteile. Hoi An z. B. profitiert stark von den chinesischen Touristen. So stark, dass es dort wohl schon bald keine Nebensaison mehr geben wird. Viele Spas und so einige Restaurants sind mittlerweile auch nur noch auf Chinesisch ausgeschrieben. Geschäfte macht man also immernoch gern miteinander. Business ist und bleibt Business, und aus China kommt teils sehr zahlungskräftige Kundschaft.

Die Rivalität kleines Vietnam gegen grosses China ist gerade in letzter Zeit wieder etwas präsent geworden. So hat auch Tim vermehrt von dem Konflikt zwischen den Nationen im Südchinesischen Meer mitbekommen. China ist hier aufgrund von sehr ausschweifenden Territorialansprüchen nicht nur mit Vietnam in den Konflikt gekommen. Hier überschneiden sich die Interessen, wobei Vietnam regelmässig den Kürzeren zieht und unter Einsatz von Wasserwerfern aus den Seegebieten vertrieben wird.

«Um dem Abhilfe zu schaffen, kommen immer wieder Kinderhändler über Südchina nach Vietnam.»


Ein weiteres Problem stellt die Ein-Kind-Politik Chinas dar. Diese hat nämlich zur Folge, dass es dort eine abnehmende Frauenquote in der Bevölkerung gibt, da das einzige Kind bestenfalls ein Sohn sein sollte. Um dem Abhilfe zu schaffen, kommen immer wieder Kinderhändler über Südchina nach Vietnam. Diese verschleppen kleine Kinder dann zurück in den Norden, in möglichst frühem Alter. So kann man den Kindern noch gut chinesische Traditionen beibringen.

In Vietnam hat man panische Angst um seiner Kinder. Deswegen läuft auch nie eines alleine durch die Gegend. Meistens werden die Kinder von den Eltern auf dem Moped zur Schule gebracht und auch wieder abgeholt. Blockierte Strassen am Schulschluss inklusive. Wenn es mal nicht anders geht, müssen sie sich zumindest in Gruppen bewegen.

Tim erinnert sich, als eine Kollegin in Tränen ausbrach, weil es ihr arbeitsbedingt absolut nicht möglich war, ihre Tochter zur Schule zu bringen. Als Tim das hörte, trank er sein Fresh Beer aus und stand auf. In schillernder Rüstung (gut, vielleicht auch nur im Polo-Hemd) nahm er sich des Problems an und brachte die Kleine zur Schule. Dafür wurde ihm grosser Dank zuteil. Denn so ist das Leben in Vietnam: Alleine manchmal schwierig, also hilft man sich, wo man kann. In allem.