«Das billigste Bier der Welt kommt für gewöhnlich im 0,3l Glas und kostet zwischen 3000 und 4000 vietnamesische Dong (VND).»

Macht euch bereit für eine gute Nachricht aus Vietnam die das Potenzial hat, den Tourismus nachhaltig zu verändern. Die Nachricht: Bei uns gibt es das billigste Bier der Welt! Ein Fresh Beer – Einheimische und Kenner sagen Bia Hoi - kommt für gewöhnlich im 0,3l Glas und kostet zwischen 3000 und 4000 vietnamesische Dong (VND). Ein Euro rechnet sich um in etwa 24.700 VND. Damit hat das Bier einen Stückpreis von sagenhaften 15 Cent. Die nette Bedienung gibt Mengenrabatt und stellt euch für einen Euro also nicht weniger als 8 (!) volle Gläser Bier auf den Tisch. Mit diesem Wissen ist die nächste Studentenreise quasi schon gebucht.
 
 

 
Von Nord bis Süd und in der Mitte ganz besonders: Den billigen Schaum bekommt man wirklich überall. Die Herstellung erfolgt täglich und in einem bestimmten Rhythmus. Am Vorabend wird es in billige Plastikflaschen abgefüllt, damit es am nächsten Morgen an fast alle Lokale Vietnams ausgeliefert werden kann. An den 4000 VND können eben diese natürlich nichts verdienen. Daher ist Fresh Beer in erster Linie dazu da, um Kunden anzulocken. Zur besten Zeit ist es dann plötzlich ausverkauft, die Lokale gehen zum üblichen Tagesgeschäft über und der eigentliche Umsatz wird erzielt.

Bia Hoi ist ein sehr helles Lagerbier und kommt völlig ohne Konservierungsstoffe aus. Der treffendste Vergleich lässt sich wohl zu einem Bud Light ziehen. Nach aktuellen Nachforschungen und Degustationen, unter Einbezug von Gerüchten geht Tim von einem Alkoholgehalt von etwa 3% bis 4% aus. So wirklich wissen, tut das aber keiner. So wirklich interessieren tut's aber ebenfalls so gut wie niemanden. Die Touristen bekommen das billigste Bier ihres Lebens, Geschmack und Inhaltsstoffe sind da eher nebensächlich. Der Fairness halber will Tim aber an dieser Stelle noch loswerden, dass das Bia Hoi jeden Tag auch etwas anders schmeckt. An den meisten Tagen bekommst Du ein leckeres helles Bier, an schlechteren Tagen würdest Du mit verbundenen Augen eher auf Spülwasser tippen.

«Hinter vorgehaltener Hand sagt man sogar, dass in der Küche bloss 50l Wasser mit 200g "China-Spezial" gemischt werden. Damit ist eine reine Giftbrühe gemeint.»


Unter Einheimischen ist das Fresh Beer nicht gern gesehen. Es soll ja vorkommen, dass Leute mit schnittigen Fahrzeugen vorfahren, dann aber nur ein billiges Bia Hoi bestellen. Die Reaktionen des Personals fallen diesen Leuten gegenüber meist weniger subtil aus. Die Touristen sind nach einigen Tagen wieder weg, doch wer als Einheimischer ein Fresh Beer bestellt, der verliert seinen Ruf, und das auf ewig. So lässt man lieber Fremde das Fresh Beer trinken, das gehört zu den örtlichen Gepflogenheiten. Hinter vorgehaltener Hand sagt man sogar, dass in der Küche bloss 50l Wasser mit 200g ,,China-Spezial" gemischt werden. Damit ist eine reine Giftbrühe gemeint.

«Für Tim ist Fresh Beer übrigens verboten. Schliesslich sind wir anständige Leute und so etwas gehört sich nicht.»


Das stimmt so natürlich auch nicht. Ein exaktes Rezept für das Fresh Beer ist aber auch nicht bekannt. Nach übereinstimmenden Insideraussagen kann man vermuten, dass die Zusammensetzung von Hopfen und Gerstenmalz mit ca. 51.5% Reisgehalt der Realität am nächsten kommt. Wie, jetzt machen die den Reis schon in mein Bier? Ja, und das ist nicht einmal unüblich. Auch Budweiser hat einen Reisgehalt von ca. 30%.

Für Tim ist Fresh Beer übrigens verboten. Schliesslich sind wir anständige Leute und so etwas gehört sich nicht.

Für alle anderen gilt trotzdem: "mot – hai – ba: Dzô!" (eins – zwei – drei: Prost!)