«Nach der Wiedervereinigung wurde sogar Saigon nach ihm benannt. Heute sagt man Ho Chi Minh City.»

Ho Chi Minh ist Vietnams Freiheitskämpfer. Und er ist in Vietnam wirklich überall – trotzdem hatte Tim bisher noch keine direkten Berührungspunkte mit diesem bedeutenden Mann aus Vietnams Geschichte. Einmal hat Tim den Spitznamen Onkel Ho (vietnamesisch Bác Ho) aufgeschnappt. Trotzdem ist Ho Chi Minh prägend für Vietnam wie kein zweiter. Aber warum eigentlich?
 
 
 

 
Die öffentliche Präsenz Ho Chi Minhs ist nicht zu bestreiten. Man findet wirklich überall Referenzen auf seine Person. Seien es Plakate oder Briefmarken, auf öffentlichen Ämtern aufgehängte Bilder, oder Souvenirs für Touristen. Sein Porträt ziert sämtliche vietnamesische Geldscheine. In Hanoi hat man sogar ein Mausoleum im Sinne dessen von Lenin errichtet. Gegen seinen Willen liegt hier sein einbalsamierter Leichnam. Auch hier wird seine Bedeutung klar: Das innere des Mausoleums ist strengstens bewacht. Dazu gelten strenge Regeln. So darf man zum Beispiel nicht stehen bleiben, und Fotos sind erst recht verboten.

Nach der Wiedervereinigung wurde sogar Saigon nach ihm benannt. Heute sagt man Ho Chi Minh City. Er war bekannt für seinen einfachen Lebensstil und seine Bescheidenheit, wie auch für seine Integrität. Heute noch hört man seinen Namen als eine Art Schlachtruf etwa bei den Schultheateraufführungen von Kleinkindern: "Ho-Ho-Ho-Chi-Minh!".

«Er war bekannt für seinen einfachen Lebensstil und seine Bescheidenheit, wie auch für seine Integrität.»


Aber was genau hat er getan? Man kann vielleicht sagen, dass er für Vietnam das ist, was Che Guevara für Kuba ist. Ein nationaler Volksheld. Zusammen mit Ebengenanntem und Mao Zedong gilt er als bedeutender Praktiker des modernen Guerillakampfs. Er hat massgeblich zur Beendigung der Kolonialherrschaft beigetragen und auch die Wiedervereinigung Vietnams eingeleitet. Letztere hat er aber selbst nicht mehr miterlebt.

Schon während seiner frühen Kindheit machte er sich Gedanken, wie man gegen die Kolonialherrschaft vorgehen könne. Als ihm dazu auch im jungen Erwachsenenalter noch nicht so recht etwas einfallen wollte, heuerte er kurzerhand auf einem französischen Dampfer an, um sich selbst ein Bild von den Verhältnissen im Land der Besatzer zu machen. Neben ein paar eher kurzen Aufenthalten an verschiedenen Orten Frankreichs lebte er zu der damals auch zeitweise in Boston und New York. Er kehrte schliesslich 1917 nach Frankreich zurück, wo er nun auch politisch aktiv wurde. Sich auf bereits existierende Ideen stützend, versuchte er erfolglos, sich für die Unabhängigkeit Vietnams einzusetzen. Während er dahingehend aktiv war, kam er langsam vermehrt mit den Schriften von Marx und Lenin in Kontakt, wodurch sich schlussendlich sein Politikverständnis massgeblich geprägt wurde. Er entwickelte eine immer stärkere Antipathie gegen Kolonialherrscher im Allgemeinen. Später viel Ho dann als Revolutionär in mehreren kommunistischen Staaten auf. Unter anderem auch in der damaligen UdSSR und in China.

Nach einer Verhaftung 1930 kam er zwar aus bisher unklaren Gründen wieder frei, wurde aber dennoch in Abwesenheit von den französischen Kolonialbehörden zum Tode verurteilt. Nach seiner Freilassung nahm er die Arbeit für die Komintern auf, bis er schließlich in Vietnam selbst seine größten politischen Erfolge vollbrachte.

Seine wohl am besten erinnerten Leistungen vollbrachte jeweils während den zahlreichen Kriegen, in die Vietnam im 20. Jahrhundert verwickelt war. Es begann, als er 1941 nach Vietnam zurückkehrte und direkt einen Gruppenverband für die Unabhängigkeit Vietnams gründete und leitete. So setzte er sich gegen die Japaner und das Indochinesische Regime zur Wehr. Nach der Kapitulation Japans 1945 setze Ho auch die Unabhängigkeit von Frankreich durch und wurde so für die folgenden 10 Jahre Premierminister und Präsident der damaligen Demokratischen Republik Vietnam.

Gerade während des Vietnamkrieges arbeitete Ho Chi Minh stetig daran, Nord- und Südvietnam wieder zu vereinigen.