«Als Antwort hiess es dann nur: "Ong Tao, gepriesen sei der Küchengott!.»

Wer länger in Vietnam ist, hört hier und da immer mal wieder nette Geschichten. Zum Beispiel die von Ong Tao. Tim erinnert sich noch ziemlich genau an seine erste Begegnung mit Ong Tao. Es war eine Woche vor TET, da standen am Abend plötzlich alle in der Küche der Schwiegereltern. Tim hat wieder nur naiv gefragt: "Was ist los? Warum geht ihr nicht schlafen?" Und das ist das Spannende in Vietnam: Ohne Vorwarnung ist man auf einmal irgendwo mittendrin statt nur dabei. Es wird einfach nie langweilig.

Als Antwort hiess es dann nur: "Ong Tao, gepriesen sei der Küchengott!". Dieser reist immer am 23. Tag des letzten Monats des Mondjahres, also vor TET in den Himmel, und berichtet dort von dem Treiben der Lebenden. Mit den altbekannten Opfergaben wie iPhones aus Papier oder Klebereis wird dann versucht, ihn positiv zu stimmen. Tim erkennt hier manchmal schelmisch Parallelen zur Bestechung. Denn die Aufgabe Ong Taos ist es, nette Sachen im Himmel zu erzählen, damit "die da oben" auch weiterhin helfen wollen im irdischen Leben.

Die Vietnamesische Geschichte lautet in etwa wie folgt: Vor langer Zeit gab es ein Ehepaar. Die waren sehr arm, deshalb liessen sie sich scheiden. Die Frau lernte kurz darauf einen neuen, reichen Mann kennen, den sie heiratete. Ihr alter Mann hatte nicht einmal ein Haus, und wanderte bettelnd durchs Land, immer auf der Suche nach etwas zu Essen. Eines Tages kam er an ein sehr reiches Haus. Die Frau des Hauses sah, dass es sich um ihren früheren Mann handelte, und bat ihn hinein. Nachdem sie sich etwas länger unterhalten hatten, kam der neue Mann nach Hause. Dies beschämte die Frau so, dass sie ins Feuer sprang. Als ihr früherer Mann dies sah, wurde ihm wieder seine Liebe zur Frau bewusst. So sprang er hinterher. Von der Situation eingenommen und ebenfalls voller Liebe sprang nun auch der reiche Mann ins Feuer.

Die Könige des Himmels sahen dies und bemerkten, dass die drei gute Menschen waren, die ihren Herzen folgten. Also ernannten sie sie zu den Königen der Küche. So kommen seitdem die Küchengötter zu den Königen des Himmels und berichten, wie es den Menschen in ihrem irdischen Leben ergeht und ob sie ein gutes Leben führen. Jede Familie opfert den Göttern hier. Es ist wichtig, dass die Familien an diesem Tag auch einen noch lebenden Fisch darbieten, damit dieser den Königen des Himmels gutes über die Familie berichten kann. Wer sich im Leben zu schlecht verhält, der wird nicht mehr langer auf der Erde bleiben. Deshalb nennen wir diesen Tag "Ong Tao Ve Troi".