«Die Frage ist dann immer die gleiche: Wird er uns treffen? Doch bevor es soweit ist, haben die Taifune schon einen weiten Weg hinter sich.»

In Vietnam kommt jedes Jahr im Sommer pünktlich die Zeit, in der Taifune den Staat bedrohen. Meldungen über die Stürme laufen dann im vietnamesischen Fernsehen rauf und runter. Auch in anderen Medien sind die Gefahren stets präsent. Auf Facebook z. B. bekommt Tim immer wieder regelrechte Fluten von Meldungen über die Taifune von Freunden und Bekannten. Diese beinhalten meistens interessante Illustrationen, bestehend aus Wolkenkreisen und versehen mit Berechnungen, welchen Weg der Taifun nehmen könnte, und wo er sich voraussichtlich mit welcher Härte niederschlägt.
 
 
 

 
Die Frage ist dann immer die gleiche: Wird er uns treffen? Doch bevor es soweit ist, haben die Taifune schon einen weiten Weg hinter sich. Sie starten meist an einem Punkt hinter den Philippinen und ziehen dann über eben diese weiter in Richtung Westen. Die Philippinen sind also eigentlich immer getroffen und haben so jährlich mit riesigen Verwüstungen und zahlreichen Toten zu kämpfen. Natürlich stoppt so ein Taifun nicht einfach, wenn er dort fertig ist.

Als nächstes treffen die Taifune dann auf Vietnam. Als langgestreckter Küstenstaat bietet Vietnam eine enorme Angriffsfläche. gleichzeitig lässt sich deshalb nur schwer sagen, wo der Taifun nun wirklich her verlaufen wird. Stündlich muss man mit Richtungsänderungen rechnen. Doch irgendwo in Vietnam landen die Taifune eigentlich immer. Ganz besondere Erinnerungen hat Tim an den Taifun Haiyan.

«Der Taifun Haiyan zog 2013 durchs Land und wurde auch als Super-Taifun bezeichnet. Er war der stärkste tropische Wirbelsturm seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.»


Der Taifun Haiyan zog 2013 durchs Land und wurde auch als Super-Taifun bezeichnet. Er war der stärkste tropische Wirbelsturm seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Und selbstverständlich hat Tim es sich auch hier nicht entgehen lassen, Erfahrungen und Eindrücke aus erster Hand für seine Leser zu sammeln. Nach den Philippinen schien der Kurs Haiyans klar. Er bewegte sich direkt auf Hoi An zu; Tims Aufenthaltsort.

Zunächst sorgten diese Neuigkeiten natürlich für grosse Panik. In den Philippinen hatte Haiyan schliesslich schon ca. 6300 Menschen das Leben gekostet. Trotzdem blieb man hier letztendlich gefasst. Es fand eine riesige Evakuierung statt, 600.000 Menschen aus der Region Quang Nam, in der auch Hoi An liegt, wurden in die vermeintliche Sicherheit gebracht.

«Tims E-Mail-Provider hatte an dem Tag sicher so einiges mit Tims Postfach zu tun.»


Tims E-Mail-Provider hatte an dem Tag sicher so einiges mit Tims Postfach zu tun. Es quoll geradezu über mit den nett gemeinten, sich aber doppelnden Ratschlägen, wie: ,"Bring Dich in Sicherheit!" oder "Nimm den nächsten Flug weg da!". Aber Tim entschloss sich zu bleiben. Mehr oder weniger gezwungenermaßen, Flüge waren eh längst restlos ausgebucht. Sogar die Schweizer Zeitungen machten Tim zu ihrem Korrespondenten vor Ort:
(https://www.blick.ch/news/berner-erwartet-taifun-in-vietnam-seit-stunden-ausgangssperre-id2528033.html).

Die Einheimischen versuchten zuversichtlich, die Dächer ihrer eher leicht gebauten Hütten und Häuser mit Sandsäcken gegen den sich anbahnenden Starkregen und die Sturmböen zu sichern. Tim war der Effektivität dieser Massnahmen gegenüber allerdings eher etwas skeptisch. Natürlich hat er es trotzdem auch gemacht. Heute sieht man immer noch vereinzelt solche Sandsäcke auf Dächern liegen. Die sind wohl dort vergessen worden.

Tim blieb im Haus in einem mittleren Stockwerk. Das sollte von unten gegen die eventuellen Hochwasserfluten schützen und gleichzeitig von oben die Gefahren des Regens und des sich möglicherweise verselbstständigenden Daches gering halten. Tim hatte bereits jede Menge Nudeln gebunkert, als der Taifun schliesslich…ausblieb. Eine Stunde, bevor er eingetroffen wäre, ist er dann doch abgedreht. Er verlief dann an der Küste entlang in Richtung Norden, wo er dann zum Glück nur noch abgeschwächt eintraf.

Die Vorläufer des Taifuns hatten trotzdem einen dunklen Sturm mit Dauerregen gebracht, aber dennoch war die Devise zum Schluss: Glück gehabt.