Strasse überqueren



Autor: Tim Kieu

«Auf der Strasse herrscht ein ständiger Fluss. Wenn ihr auf die andere Seite wollt, müsst ihr euch diesem Fluss anpassen.»

Wahrscheinlich habt ihr von den Strassen Vietnams ein ganz bestimmtes Bild vor Augen. Wenn dieses zu etwa 95% aus Mopeds besteht, seid ihr damit auch nicht besonders weit von der Realität entfernt. Die Zweiräder sind hier praktisch überall. Jeder besitzt eins, jeder benutzt eins. Lest hier, was ihr als Fussgänger beachten müsst.

Es rollen also ganze Blechlawinen dicht an dicht durch die Strassen. Von den Seiten kommen stets neue hinzu, andere fallen aber auch weg. So kann man sich nie sicher sein, wie der Verkehr und die Verhältnisse auf der Strasse in 5 Sekunden aussehen werden.

Besonders in den grösseren Städten Vietnams sind die Strassen chronisch verstopft. Der Verkehr ist praktisch lückenlos, sodass etwa das System Zebrastreifen hier vergebens gesucht wird. Auf der Strasse herrscht ein ständiger Fluss. Wenn ihr auf die andere Seite wollt, müsst ihr euch diesem Fluss anpassen. Dabei müsst ihr folgende Dinge unbedingt beachten und auch sicher nach aussen tragen:


  1. Seid selbstsicher. Wenn ihr zweifelt, kann man das sicher an eurer Gangart sehen. Wichtig ist, dass ihr nicht zögerlich oder hektisch werdet, wenn ihr mitten auf der Strasse seid. Dann können euch die Fahrer nicht mehr gut einschätzen. Darin liegt die grösste Gefahr.
  2. Langsam aber bestimmt über die Strasse gehen. Den meisten Westlichen fällt dies wahrscheinlich gerade am Anfang sehr schwer, aber: einfach gehen, keine grossen Sorgen machen. Selbst wenn es für euch nicht danach aussieht, der Verkehr wird Rücksicht auf euch nehmen.
  3. Auf keinen Fall dürft ihr euch mitten auf der Strasse umentscheiden. Niemand rechnet damit, dass ihr plötzlich auf dem Absatz kehrt macht und wieder in die andere Richtung zurück lauft.
  4. Was ihr euch jetzt wahrscheinlich schon gedacht habt: Haltet auf der Straße nicht an. Auch damit rechnet niemand.


Nur Mut, Tim hat schon hunderte Male vietnamesische (und schweizerische) Strassen überquert und ihm ist noch in keinem der Länder etwas passiert.

Die Einheimischen machen sich oft einen Spass aus Touristen, die noch nicht lang in Vietnam sind und dann versuchen, eine Strasse zu überqueren. Doch so amüsant das auch sein mag für denjenigen, der weiss wie es geht: Es ist für den Unerfahrenen schlicht eine sehr gefährliche Situation. Tim hat schon oft Fremden beim Überqueren der Strasse geholfen. Ein buchstäbliches an die Hand nehmen hilft manchmal mehr, als jede Erklärung. Meist hört Tim als Reaktion Verblüffung.

Ein kleiner Hinweis, falls ihr euch auch aktiv in den Verkehr stürzen wollt: Vietnamesen gucken nicht, sie hupen. Dabei hat das nicht die selbe Bedeutung wie bei uns. In Vietnam bedeutet das hupen eher einen Hinweis darauf, dass man gerade hinter jemandem ist. Wer also nicht hupt lebt gefährlich, da hier ein grosser Teil der gegenseitigen Wahrnehmung auf den Signalen beruht. In grösseren Städten kommt es so auch häufig bis spät in die Nacht zu Hupkonzerten.


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