«Wer in Vietnam ein Moped mieten will, sollte unbedingt auch seinen Organspenderausweis mitnehmen. So kann man auch noch anderen Touristen helfen.»

Wer in Vietnam ein Moped mieten will, sollte unbedingt auch seinen Organspenderausweis mitnehmen. So kann man auch noch anderen Touristen helfen. Denn der Vietnamesische Verkehr ist ganz und gar nicht ohne. Ein kleiner Guide fürs Überleben auf den Straßen Vietnams.

Wer die geordneten Verhältnisse des europäischen Verkehrs gewohnt ist, wird sich in Vietnam nicht unbedingt als sicherer Fahrer, oder gar wie Zuhause fühlen. Als Tourist beginnen die Hürden allerdings schon weit vor dem Einstieg in den Strassenverkehr. Schliesslich muss erstmal ein fahrbarer Untersatz her!

Man kann in Vietnam wirklich überall ein Motorrad mieten. Ab etwa 170.000 VND ist man im Geschäft (und auf zwei Rädern wieder draussen). Für ein paar hundert Dollar bekommt man sogar eins gekauft, was man dann nach dem Urlaub einfach an den nächsten Touristen weiterverkaufen kann. Das lohnt sich besonders, wenn man eine Tour durchs Land plant. Denn bei ca. 3400 km Küstenlänge kommt man innerhalb eines Urlaubes sicher nicht hin und zurück, selbst wenn man sich Flügel an das Moped klebt. Auch wenn viel gemietet und besonders gekauft wird, muss man hier aufpassen, denn erlaubt ist das eigentlich leider nicht.

Das ist nicht die einzige verbotene Sache, auf die man sich schnell mal einlässt. Die meisten Touristen werden nämlich auch nicht fahren dürfen. In Vietnam gilt der vietnamesische Führerschein. Leider ohne Ausnahme. Die Gesetze sind zwar im Umschwung und vielleicht sieht es in ein paar Jahren anders aus, aber aktuell darf man auch mit internationalem Führerschein nicht in Vietnam fahren. Egal, ob jemand was anderes sagt. Verboten ist verboten.

Solange nichts passiert, kann man damit davon kommen. Wo kein Kläger, da kein Richter (merke: Polizeikontrollen werden gerne mal zum Kläger. Obacht!). Wenn doch was passieren sollte, sind die Touristen meist die geschmierten. Denn "der ohne Führerschein ist immer Schuld, was macht er überhaupt auf der Strasse?"

Nach zwei gebrochenen Zehen und einer gebrochenen Rippe kommt Tim zu dem Schluss, dass der Verkehr hier nicht ganz ungefährlich ist. Die Einheimischen kommen gerne auch mal ohne zu gucken aus einer Seitenstrasse geschossen. Hier ist Vorsicht geboten, damit man nicht abgeschossen wird.

Tim hört immer wieder, die Chaotik auf Vietnams Strassen sei ein funktionierendes System. Tim hat da aber einen anderen Eindruck. Immer wieder sieht er blutige Unfälle, leider oft mit Toten. So erklärt man sich die Strohmatten am Strassenrand. Das Zählen hat Tim lange aufgehört, aber das schwedische Hochzeitspaar wird er wohl nie vergessen. In ihren Flitterwochen in Vietnam kamen sie im Verkehr ins Straucheln und schliesslich zu Fall. Sie wurde von einem Lastwagen erfasst und erlag dem Unfall.

Ein häufiger Fehler im Verkehr ist hier das zu schnelle Fahren. Das hat hier meist noch härtere Konsequenzen, als sowieso schon. In Vietnam kann man nicht davon ausgehen, abzuschätzen was andere Verkehrsteilnehmer machen. Man muss sich in jedem Augenblick ganz neu auf die Lage einstellen. Denn die ändert sich im Sekundentakt. Wer hier schneller als 30 km/h fährt, steigert seine Chancen rapide, bald die Radieschen von unten zu sehen.

Ein weiteres Problem ist der Diebstahl. Kurz und auf den Punkt: Holt das Moped über Nacht rein, zur Not ins Wohnzimmer. Und verleiht es am besten nicht, auch nicht an bekannte Touristen. Die verlängern gern mal ihre Ferien für das Geld von eurem Moped. Alles schon gesehen.

Tims Frau hat von Freundinnen schon oft gehört, Tim führe wie ein echter Vietnamese. Hier natürlich ein Kompliment, jedoch mache ich mir Sorgen, wenn ich mal wieder daheim bin.